Wiesbaden, November 2002
Christoph Müller
Verwaltungsfachhochschule Wiesbaden,
Fachbereich Polizei



Ethik

Hauptstudium

Dozent: Bartels

Referat über Martin Luthers

"Von der Freiheit eines Christenmenschen"


Inhalt

Vorwort

Einleitung

Hauptteil

  1. Der Mensch ist frei um zu dienen
  2. Der innere und der äußere Mensch
  3. Sola Gratia - allein aus Gnade
  4. Sola Fide - allein durch Glauben
  5. Das Priestertum aller Gläubigen
  6. Guter Geist vor guten Werken
  7. Handeln allein aus freier Liebe
  8. Untertan jeglicher staatlicher Ordnung?

Schluss

Quellennachweis


Vorwort

Jedes Jahr am 31. Oktober wird in der evangelischen Kirche der Reformationstag gefeiert. Der Reformationstag erinnert an das Anschlagen der "95 Thesen" Martin Luthers an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg im Jahr 1517. Damit begann die Reformation, die schließlich zum Entstehen von zwei getrennten christlichen Kirchen geführt hat, der katholischen und der evangelischen Kirche. Zu bemerken ist, dass die evangelische Kirche keine so homogene und einheitlich Kirchenorganisation ist wie die katholische Kirche.

Ein anderes Datum möchte ich auch noch nennen, den 10. November, als den Geburtstag Martin Luthers im Jahr 1483 in Eisleben.

Neben den "95 Thesen" hat Martin Luther noch weitere theologische Schriften verfasst. Eine der bedeutendsten davon, die er 1520 schrieb, handelt "Von der Freiheit eines Christenmenschen". Über sie habe ich mir ein paar Gedanken gemacht, die ich in dieser Ausarbeitung niedergeschrieben habe. Ich habe bewusst und absichtlich darauf verzichtet bereits bestehende Abhandlungen über diese Schrift Martin Luthers zu lesen, da dieses Referat keine wissenschaftliche Abhandlung sein soll, sondern lediglich die Niederschrift persönlicher Gedanken aufgrund des in heutige Sprache übertragenen Originaltextes.

Eine sprachlich zeitgemäße Textfassung der Schrift "Von der Freiheit eines Christenmenschen" habe ich aus dem Internet bezogen, unter der Adresse: www.ubf-net.de/doc/freiheit.htm. Diese Internetadresse wurde mir auf Anfrage auch von der Evangelischen Kirche in Deutschland genannt, so dass dieser Text als anerkannte sprachliche Übertragung der Originalfassung gelten kann. Ein Ausdruck des Textes folgt als Anlage an diese Ausarbeitung.

Der Text in der Originalsprache Martin Luthers kann im Internet unter der Adresse www.heiligenlexikon.de/Literatur/Martin_Luther_Freiheit.html aufgerufen werden, wurde aber für diese Ausarbeitung nicht verwendet.

Einleitung

Wie schon bei seinen "95 Thesen" hat Martin Luther auch bei seiner Schrift "Von der Freiheit eines Christenmenschen" Sinnabschnitte nummeriert. Es sind allerdings nicht 95 Sinnabschnitte geworden, sondern nur 30.

Die Basis, auf der Luther den Begriff "Freiheit" behandelt, ist das Anerkennen der Existenz eines lebendigen Gottes und dass dieser Gott in der Verkörperung von Jesus Christus, als dessen Sohn, Mensch geworden ist. Anders als beim humanistischen Menschenbild, in dem der Mensch selbst der zentrale Bezugspunkt ist, bleibt bei Luther der existierende Gott die höchste Instanz.

Auf der Grundlage des christlichen Glaubens beschreibt Luther den Freiheitsbegriff. Freiheit wird nicht losgelöst von allem, sondern in Abhängigkeit von dem einen Gott verstanden. Man kann hier die Frage stellen, gibt es überhaupt einen Gott? Dies soll hier nicht erörtert werden, da Luther diese Frage klar mit ja beantwortet hat. Luther nennt seine Schrift deshalb auch nicht "Von der Freiheit eines Menschen" sondern "Von der Freiheit eines Christenmenschen". Neben der Grundlage des christlichen Glaubens nennt Luther noch zwei Bedingungen, mit denen die Freiheit verbunden sein soll, 1. Rechtschaffenheit und 2. Seligkeit.

Hauptteil

Der Mensch ist frei um zu dienen

Schon zu Beginn stellt Luther das Ergebnis seiner Überlegungen dar, man könnte es auch seine Hypothesen nennen, die er im folgenden dann erläutert:

"Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan."

Zusammengefasst könnte man es noch kürzer auch so formulieren: Der Mensch ist frei, um zu dienen. Dies scheint zunächst ein Widerspruch zu sein, den Luther aber im weiteren auflöst.

Der innere und der äußere Mensch

Luther unterscheidet bei seinen Betrachtungen zwei Ebenen der menschlichen Existenz, auf die er nacheinander eingeht. Er nennt es die geistliche Natur und die leibliche Natur des Menschen, die Seele und den Körper oder den inneren Menschen und den äußeren Menschen.

Luther stellt fest, dass das Wohlbefinden der Seele in Bezug auf Gott unabhängig ist von den äußeren Umständen, in denen der Mensch lebt. Dies bedeutet, dass äußere Umstände diese seelische Beziehung weder zum guten noch zum schlechten verändern können. Andererseits kann man durch Äußerlichkeiten diese innere Beziehung auch nicht verändern, weder durch eigenes Tun, noch durch eigene Werke.

Sola Gratia - allein aus Gnade

Als Möglichkeit seinen inneren Seelenzustand zu verändern, zu verbessern, nennt Luther das Evangelium und den Glauben an Jesus Christus. Doch kann der Mensch nicht aus eigenem Zutun diese Verbesserung herbeiführen, sie geschieht allein aus göttlicher Gnade, auf die der Mensch keinen Einfluss hat. Aus Gnade bedeutet hier, dass man diese geschenkt bekommt und sie sich nicht verdienen kann.

Im Umkehrschluss bedeutet dies aber: da man nichts selbst tun kann, um selig zu werden, muss man aber auch nichts dafür tun. Dadurch ergibt sich die Freiheit von allen Zwängen und Verpflichtungen. Somit ist der Mensch frei in der Entwicklung seiner Persönlichkeit. Im Grundgesetz gibt es dem entsprechend das "Allgemeine Persönlichkeitsrecht" in Artikel 2 Abs. 1.

Sola Fide - allein durch Glauben

Neben Seligkeit soll Rechtschaffenheit eine Eigenschaft der Freiheit sein. Der Zustand der Rechtschaffenheit orientiert sich an den göttlichen Geboten und Vorschriften. Diese einzuhalten ist für den Menschen unmöglich. Er kann den Zustand der Rechtschaffenheit also durch "Gesetzestreue" nicht selbst erreichen. Als Ausweg nennt Luther den Glauben an Jesus Christus, der als einziger die göttlichen Gebote eingehalten und stellvertretend für die Menschen alle Gebote Gottes erfüllt hat

Allein dieser Glaube an Jesus Christus als Gottes Sohn reicht aus, um Rechtschaffenheit vor Gott zu erlangen. Werke und Handlungen des Menschen sind dazu nicht erforderlich. Durch den Glauben wird Gott in seiner Existenz und Macht anerkannt und geehrt. Durch den Glauben wird das erste christliche Gebot erfüllt: "Du sollst deinen Gott ehren".

So wie der Mensch keinen Einfluss auf die Gnade Gottes nehmen kann, ist ihm auch der Zugriff auf die Gnade, die den anderen Menschen gewährt wird, verwehrt. Die Gnade, die dem anderen zu Teil wird, ist für ihn nicht antastbar, so wie die Würde des Menschen in Artikel 1 des Grundgesetzes unantastbar ist.

Das Priestertum aller Gläubigen

Luther unterscheidet nicht zwischen geistlichen "Profis" und geistlichen Laien. Vor Gott gibt es keinen Unterschied. Die Gnade wird von Gott unabhängig von theologischer Bildung oder Rang gewährt. Daher kann sich jeder Mensch ohne Einschaltung eines Vermittlers unmittelbar an Gott mit seinen Anliegen wenden. Heilige, Pfarrer, Priester, Bischöfe und Päpste bedarf der Mensch nicht, um in Kontakt mit Gott zu treten.

Da der Mensch allein aus Gnade selig wird, ohne dass er es sich selbst durch Tun oder Stellung verdienen kann, gibt es keinen Unterschied zwischen Laien und Geistlichen. Denn der Glaube ist entscheidend und nicht Bildung oder Stellung.

Die Aufhebung des Unterschiedes zwischen Geistlichen und Laien ist nichts anderes als die Gleichheit aller Christen vor Gott. Dem vergleichbar ist der Gleichheitsgrundsatz aus Artikel 3 des Grundgesetzes.

Guter Geist vor guten Werken

Für Luther bestimmt die Geisteshaltung die daraus resultierende Handlung. Der Geist bestimmt das Tun. Die Handlung ist nur ein Ausdruck der Geisteshaltung. Will man ein Handeln verbessern, so muss man zunächst die Geisteshaltung verändern, was dann ein besseres Handeln zur Folge hat.

Allein sein Tun zu verbessern, ohne auch seine innere Einstellung zu verändern, bringt keine Anerkennung vor Gott. Durch die Gnade Gottes ist der Mensch befreit davon, durch gute Taten das Wohlwollen Gottes verdienen zu müssen. Es kommt also alleine auf die Geisteshaltung an, die durch die Tat ausgedrückt wird und nicht auf die Tat selbst.

Dass man den Geist zuerst bewertet und danach erst die daraus resultierende Tat, entspricht dem Schuldprinzip im Strafrecht. Hier wird auch zuerst nach der Motivlage und der Intension des Täters gefragt, die er bei der Tat hatte.

Handeln allein aus freier Liebe

Da der Mensch ohne eigenes Zutun selig wird, ohne dass er zu irgendeiner Tat oder Handlung verpflichtet wäre, stellt sich die Frage, warum sich denn an die Gebote Gottes und die Gesetze halten, wenn man durch das Einhalten der Gebote nichts bewirken kann?

Da der Mensch dessen nicht bedarf, um für sich selbst glücklich zu werden, soll er rechtschaffend handeln aus Liebe zu Gott und den Menschen. Dieses Handeln hat aber nicht den Zweck, für sich eine Verbesserung zu erreicht, dies ist nicht möglich und nicht nötig, sondern um die Situation des Nächsten zu verbessern.

Man soll seinem Nächsten helfen, nicht um für sich selbst einen Lohn zu erhalten, sondern alleine das Wohl des Nächsten, soll der Grund des Handelns sein. Da der Mensch durch die Gnade davon befreit ist seine Seligkeit erst verdienen zu müssen, bedarf er auch keines Lohnes und Anerkennung für sein Tun. Er kann allein aus freier Liebe zu seinem Nächsten und zu Gott handeln.

Untertan jeglicher staatlicher Ordnung?

Luther fordert am Schluss, unter Punkt "Achtundzwanzigtens", "die (Christen) sollten der weltlichen Gewalt untertan sein und ihr zur Verfügung stehen". Er geht dabei nicht darauf ein, welchen Charakter und Inhalt die staatliche Gewalt hat, sondern fordert dies generell für jede staatliche Gewalt. Er meint damit nicht ein Übernehmen obrigkeitlicher Auffassungen und Ansicht, die dem christlichen Glauben widersprechen, schon gar nicht die Verleugnung christlicher Überzeugungen, sondern dass ein solches Verhalten, wenn es durch die Gewalt erzwungen wird, dem seelischen Wohl des Betroffenen nicht schadet.

Schluss

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Mensch durch die Gnade Gottes selig und frei von Zwängen und Verpflichtungen wird und durch den Glauben an Gott und Jesus Christus als dessen Sohn rechtschaffend, um aus freier Liebe Gott und seinem Nächsten zu dienen.

Dieses Referat kann unter der Adresse www.christenmensch.de auch auf meiner Homepage (www.mueller7.com) abgerufen werden.

- Ende -

(Christoph Müller)

Quellennachweis

Martin Luther, 1520, "Von der Freiheit eines Christenmenschen" (moderne Textfassung), im Internet: www.ubf-net.de/doc/freiheit.htm


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